Zuhause auf der Reichenau

Alfred Heizmann über Kirchen, Klöster und (Sprach-) Kultur

Ein Presseartikel von 2011 beschreibt Alfred Heizmann als alemannisches Urviech und Inkarnation der badischen Seele mit Herz und intellektuellem Esprit. Mit seinem urigen und oft deftigen Reichenauer Dialekt reizt er sein Publikum zu wahren Lachsalven.
Der auf der Reichenau lebende Wort- und Sprachkünstler, bekannt durch die Konstanzer Fernsehfasnacht, gewährt bei seinen Führungen über die Insel mit seinem kompetenten Wissen, gewürzt mit Humor und dem Bewusstmachen menschlicher Unzulänglichkeiten, Einblick in den Werdegang des Klosters Reichenau, das durch seine wissenschaftlichen Arbeiten und Erkenntnisse eines der drei bedeutendsten Zentren Europas war.
Wenn man am Heimatmuseum eintrifft, fällt der Blick auf den modernen Bau der UNESCO, in dem die Entwicklung des Klosters dargestellt wird, denn am 30. November 2000 wurde die „Klosterinsel Reichenau“ im Bodensee in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen, als Kulturlandschaft, die ein herausragendes Zeugnis von der religiösen und kulturellen Rolle eines großen Benediktinerklosters im Mittelalter ablegt. Die drei gut erhaltenen romanischen Kirchen der Insel bieten anschauliche Beispiele der klösterlichen Architektur vom 9. bis 11. Jahrhundert und nicht nur die ottonischen Wandmalereien in der Kirche St. Georg zeigen die Reichenau als künstlerisches Zentrum mit großer Bedeutung für die europäische Kunstgeschichte des 10. und 11. Jahrhunderts. Beispielsweise erreichte die Buchmalerei gerade hier eine einzigartige Vollkommenheit, die den Betrachter selbst heute noch nach 1000 Jahren mit Ehrfurcht erfüllt.
Die klösterliche Zeit hat das Bild der Insel, der Landschaft sowie die Wirtschaftsstruktur nachhaltig und bis heute ablesbar geprägt.
Im Zentrum der Insel findet man das Münster St. Maria und Markus – umgeben von den alten Klosteranlagen. Hier vereinigen sich gleich mehrere Baustile zu einer harmonischen Einheit: Das östliche karolingische Querschiff, die romanische Markuskirche mit den maurischen Elementen, das normannische Langhaus und dem original erhaltenen Dachstuhl, dessen Konstruktion einem umgedrehten Schiff ähnelt sowie der gotische Chorraum mit seinem barocken Chorgitter. Bei den Führungen werden interessierten Gästen nicht nur die Augen für dieses Zusammenspiel der baulichen Epochen geöffnet, sondern auch die Tür zur Schatzkammer, die unter anderem Originalhandschriften des Klosters beherbergt, aber auch den Markusschrein und etliche sakrale Gerätschaften, von Meistern der Goldschmiedekunst gefertigt.
Spezialität der Führungen von Alfred Heizmann ist die am Ende der Insel gelegene Kirche St. Peter und Paul. Immer etwas im Schatten der beiden anderen, weiß er ihr doch einige einmalige Geschichten zu entlocken. Zumal sie vom Datum der Weihe im Jahr 799 eigentlich das „Urgestein“ der Reichenau ist.
„Auf der Insel Reichenau erfährt man hautnah die einzigartige Geschichte, die unsere unmittelbare Umgebung und die Vierländerregion Bodensee beherbergen“, so Heizmann. „Das Besondere an den Menschen und unserer Region ist, dass wir alle Alemannen sind. Uns verbindet ein gemeinsamer Sprachraum und eine kulturelle Dichte und Fülle, welche Ihresgleichen vergeblich sucht. Nirgendwo ist mehr Kulturgut (literarisches, architektonisches, musikalisches) tatsächlich anzutreffen.“

Zuhause auf der Reichenau
Alfred Heizmann

Steckbrief

Name: Alfred Heizmann

Alter: 64

Familienstand: verheiratet

Beruf: Verseschmied und Geschichtenschreiber

Am Bodensee seit: 40 Jahren

Infografik

Fakten

  • Architektur vom 9. bis 11. Jahrhundert
  • Weltkulturerbe seit 20.11.2000
  • große Bedeutung für Kunstgeschichte des 10. und 11. Jahrhunderts
  • 1000 Jahre Buchmalerei
  • erste Kirchenweihe im Jahr 799